Drugchecking-Symposium Berlin 2011

Die Drugchecking-Initiative Berlin-Brandenburg veranstaltete im Mai 2011 zusammen mit der vista gGmbH mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Berlin ein Symposium, das dem Ziel diente, ein Drugchecking-Modellprojekt für Berlin zu diskutieren und Wege der Umsetzung zu finden. Neben relevanten Berliner Akteuren waren auch Fachleute bundesweit tätiger Organisationen und Experten aus deen Nachbarländern geladen.

Dr. Benjamin Hoff, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Gesundheit im Land Berlin, machte in seiner Begrüßung klar, dass er selbst nicht mehr vom Nutzen eines Drugchecking-Projektes überzeugt werden muss. Er unterstütze, ein Modellprojekt auf den Weg zu bringen und machte konkrete Umsetzungsvorschläge, sprach aber auch noch zu klärende Punkte an.

Im Anschluss berichtete Tibor Harrach vom ersten deutschen Drugchecking-Programm, das 1995/96 von Eve & Rave e.V. Berlin in Kooperation mit dem Gerichtsmedizinischen Institut der Charité durchgeführt wurde. Das Angebot wurde von den Strafverfolgungsbehörden wegen des Verdachts des unerlaubten Besitzes und Umgangs mit Betäubungsmitteln beendet. Allerdings erkannten das Amtsgericht Tiergarten und Landgericht Berlin in der angewendeten Praxis keine Rechtsverstöße. Auf Grund mangelnder politischer Unterstützung wurde es nicht fortgesetzt.

Prof. Rainer Schmid (Klinisches Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik des Allgemeinen Krankenhauses Wien) präsentierte die langjährigen Erfahrungen des Prijekts ChEckiT! Hier wurde deutlich, welche wichtige Funktion der Schadensminimierung Drugchecking hat und haben kann. Drugchecking stellt mehr als nur Substanzprüfung dar, es ermöglichst einen intensiveren Dialog mit den KonsumentInnen als andere (Informations-)Angebote. Es erhöht die Glaubwürdigkeit präventiver Praxis und ist mit den Forderungen des International Narcotics Control Board kompatibel.

Alexander Bücheli (stellv. Betriebsleiter der Jugendberatung Streetwork in Zürich) stellte die Umsetzung und Effektivität von Drugchecking in Zürich vor. Dabei machte er auch deutlich, dass Drugchecking eine effiziente Strategie darstellt.

Tibor Brunt (Drug Information and Monitoring System des Trimbos Instituut Utrecht) erläuterte das Drugchecking-Angebot in den Niederlanden und machte insbesondere deutlich, dass Drugchecking ein wichtiges Instrument des Drogen-Monitoring ist, das auch für Deutschland wichtige Daten über eine bislang wenig bekannte Gruppe von KonsumentInnen liefern könnte. Drugchecking bietet so auch die Möglichkeit, mit präventiven Botschaften zeitnah auf neue Drogentrends zu reagieren.

Prof. Dr. Cornelius Nestler (Universität Köln) machte in seinem Vortrag deutlich, welche rechtlichen Hürden bei der Initiierung von Drugchecking zu badenken und welche Konstruktionen denkbar sind, um zu Rechtssicherheit für die Durchführenden zu gelangen.

In der Diskussion der TeilnehmerInnen wurde unter anderem deutlich, dass mit der ständigen Zunahme von neuen psychotrop wirkenden Substanzen (sog. Legal Highs oder Research Chemicals) die Notwendigkeit größer wird, zu wissen, was auf dem Markt ist, um mit den KonsumentInnen in einen glaubwürdigen Dialog über Präventionsmaßnahmen zu treten.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Heike Drees vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin.

Das Symposium wurde filmisch dokumentiert, die Präsentationen sind auf der Website der Drugchecking-Initiative Berlin-Brandenburg im Menüpunkt Symposium 2011 abrufbar.