Ziele

In Deutschland sind Strategien zur praktischen Durchführung von Drugchecking und Ergebnisse der Projekte in den Nachbarländern bislang weitgehend unbekannt oder werden nicht in die politische Diskussion eingebracht.

Die Diskussion in Deutschland spiegelt zudem meist nicht den aktuellen Forschungsstand zum Thema. So konnten wissenschaftliche Evaluationen von Drugchecking-Angeboten inzwischen in Deutschland oft erhobene Einwände und Vorbehalte gegenüber möglichen unerwünschten Nebeneffekten von Drugchecking weitgehend ausräumen. Darüber hinaus bestehen Unsicherheiten über die rechtlichen Bedingungen und Voraussetzungen für eine aus betäubungsmittelrechtlicher Sicht unbedenkliche Durchführung von Drugchecking.

Die Drugchecking-Initiative Berlin-Brandenburg will hier einen Wissenstransfer leisten, indem sie Schlüsselpersonen in Verwaltung und Politik sowie des Drogenhilfesystems über die Möglichkeiten zur Implementierung von Drugchecking in die Drogenarbeit informiert und konkrete praktische Ansatzpunkte dazu liefert, wie Drugchecking in Deutschland umgesetzt werden kann. Neben Schlüsselpersonen aus der Verwaltung will die Initiative auch Mandatsträger aller Parteien auf allen Ebenen (Bezirks , Landes und Bundesebene) dafür gewinnen, für Drugchecking einzutreten.

 

Im Einzelnen kann die Etablierung von Drugchecking-Angeboten folgende Effekte erzielen:

  • Vermeidung von Gesundheitsschädigungen durch Warnung vor Produkten mit besonders erhöhtem Risikopotenzial (durch ungewöhnlich hohe Wirkstoffdosierungen, Verunreinigungen durch gesundheitsgefährdende Stoffe und Erwerb unter falschen Annahmen über die Art der Inhaltsstoffe).
  • Vorbeugung von Gesundheitsschäden durch einen verbesserten Zugang zu Drogengebrauchern und hieraus resultierende erhöhte Glaubwürdigkeit und Reichweite der über psychoaktive Substanzen, ihren Gebrauch sowie die Angebote des Drogenhilfesystems verbreiteten Informationen.
  • Förderung eines selbstreflexiven, selbstkontrollierten, risikobewussten Konsums von illegal gehandelten psychoaktiven Substanzen.
  • Mittel und langfristig eine Beeinflussung des Drogen-Schwarzmarkts dahingehend, dass die hier gehandelten Produkte auch tatsächlich der erwarteten Substanzqualität und quantität entsprechen.
  • Gewinnen von fundierten Informationen über Gebraucher illegaler Substanzen, ihre Motivation zum Konsum und protektive Faktoren und Strategien beim Gebrauch. Hierdurch mittel und langfristig auch Erhöhung der Effektivität des Drogenhilfesystems durch eine Verbesserung des Kenntnisstands der Mitarbeiter des Hilfesystems über spezifische Konsummuster und –motivationen, spezifische Risiken etc.

Die erfolgreiche Umsetzung von Drugchecking-Programmen birgt folgende Chancen zur Verbesserung des Gesundheitsschutzes:

  • Die Möglichkeit des Testens illegal erworbener Substanzen auf ihre Inhaltstoffe und deren Gehalt bedeutet für die (potenziellen) Gebraucher illegaler Substanzen die verbesserte Möglichkeit, Vergiftungen, Überdosierungen und unerwünschte Effekte zu vermeiden.
  • Über das genaue Wissen über Art und Menge der Inhaltsstoffe psychoaktiver Substanzen ermöglicht Drugchecking einen reflektiven Drogengebrauch und fördert einen selbstkontrollierten, respektvollen und vorsichtigen Umgang mit psychoaktiven Substanzen und das Erlernen von geeigneten Strategien zur Risikoreduzierung beim Gebrauch.
  • Schließlich können Drugchecking-Angebote auch zu einer besseren Aufklärung über Drogen beitragen, indem sie einerseits den Zugang von Drogengebrauchern zur durch das Drogenhilfesystem zur Verfügung gestellte Informations und Beratungsangebote erleichtern, und andererseits das Wissen der Mitarbeiter von Drogenhilfeeinrichtungen über Konsummuster, Motive des Konsums, (auch dosisabhängig) spezifische Wirkungen und Risiken des Konsums bestimmter Substanzen erhöhen.