Offener Brief

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde des Chill out e.V.!

Vernachlässigen wir aus aktuellem Anlass (und weil es jeglicher Plausibilität und Vernunft zu widersprechen scheint) einmal die geplanten mindestens 2 x 40 Millionen € für den Aufbau unseres ehrwürdigen Stadtschlosses.

Potsdam feierte den Brandenburg-Tag, Kosten ca. 200.000 € ! Nicht, das wir etwas gegen´s Feiern haben - Nur leisten muss man sich´s können!
Die BUGA gibt nicht verwendete Mittel in Höhe von 300.000 € an die Stadt zurück, das Geld soll für die Bewerbung "Potsdam - Kulturhauptstadt 2010" verwendet werden. Wir schreiben das Jahr 2003 !
Das macht 500.000 €, die aktuell an allen Ecken und Enden der Stadt bitter vermisst werden. So neben anderen (!) z.B. im Bereich der Suchthilfe und Prävention.
Hier wird von der Stadtverwaltung (Amt für Umweltschutz und Gesundheit) eine beispiellose Kürzung mittels eines "Interessenbekundungsverfahrens" initiiert, in dessen Folge das städtische Suchthilfeverbundsystem, das bisher diesen Namen noch nicht annähernd verdiente, auf das Niveau einer Gemeinde in der Prignitz oder sonstwo in der Provinz herabgesenkt wird. ( Siehe hierzu: http://www.potsdam.de/live/contentpe/show.php3?id=687&nodeid=429&a=1&_language=de )

Eine Katastrophe für Menschen mit Suchtproblemen, die es auch in Potsdam in reichlicher Zahl gibt. Allein im Jahr 2002 wurden in den 3 Beratungsstellen von AWO, Diakonie und Chill out ca. 7000 Gespräche geführt! Ab 2004 stehen dann 3 von 5 Hilfesuchenden vor verschlossener Tür!
Ein Faustschlag mitten ins Gesicht auch derjenigen, die sich jahrelang haupt- u. ehrenamtlich für den Aufbau von Selbsthilfe, Beratung und Suchtprävention engagiert haben.

Wir werden dies nicht hinnehmen und sehr deutlich auf eine sich abzeichnende Farce reagieren, die in der Folge weitaus mehr Kosten durch Suchtkrankheit, Beschaffungskriminalität und höheres Sterberisiko verursachen werden.
Die Kommunalwahl steht vor der Tür, vielleicht ein Grund zur Hoffnung. Werben doch eine ganze Reihe von verantwortungsbewußten und visionär denkenden Politikern verschiedener Parteien um die Gunst einer großen Wählerschaft. Der wiederum das eine oder andere Suchtproblem in Familie, bei Freunden oder in der weiteren Bekanntschaft Anlass sein könnte, den Worten und vor allem den Taten der BewerberInnen um einen Platz in der Stadtverordnetenversammlung schweres Gewicht beizumessen.
Wir tun dies und werden nichts unversucht lassen, eine fatale, kurzsichtige und unvernünftige Entscheidung, die vor Betroffenen durch nichts gerechtfertigt werden kann, rückgängig zu machen.
Bitte unterstützt uns hierbei nach Kräften!

Halten wir´s wie die 4 Musketiere "EINER FÜR ALLE - ALLE FÜR EINEN" oder, falls wir es damals nicht verdrängt und heute noch nicht vergessen haben SOLIDARITÄT hilft!!!

In diesem Sinne

Frank Prinz-Schubert
Leiter Kontakt- u. Drogenberatungsstelle "Chill out"

Potsdam den 08.09.2003
weitere Artikel
Seitenanfang