03.12.2004 MAZ
Szenenahe Angebote für Jugendliche nötig
Awo und Chill out:
Kooperation bei Sucht-Arbeit bewährt / Vertrag verlängert
CLAUDIA KRAUSE Nach anfänglicher Skepsis hat sich
die Kooperation zwischen dem Chill out-Verein und der Awo-Suchtberatung
gut entwickelt. Die Arbeit werde abgestimmt, gemeinsame Veranstaltungen
organisiert, Flyer und Plakate entworfen. Außerdem wird an einem
Wegweiser für die Suchtkrankenhilfe in Potsdam gearbeitet. Das
sagten Rolf Müller von der Awo und Frank Prinz-Schubert von Chill
out gestern bei der Unterzeichnung des Vertrages mit der Stadt über
den Fortgang ihrer Arbeit in 2005.Wie berichtet, wurde aus Haushaltszwängen
das gesamte Paket Sucht für Potsdam neu ausgeschrieben. Der Awo
Kreisverband erhielt den Zuschlag für den Betrieb der ambulanten
Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtkranke und -gefährdete
und Chill out übernahm die Suchtpräventionsfachstelle. Seit
dem 1. März 2004 kooperieren beide. Wiederum aus unsicheren Haushaltsgründen
gewährt ihnen die Stadt nur einen Ein-Jahresvertrag, was auch der
Sozialbeigeordneten Elona Müller missfällt. "Ich würde
gern zu einem dreijährigen Vertrag übergehen wollen",
sagte sie. Awo und Chill out sehen sich so in Projekt- und Personalplanung
behindert. Zudem erhoffen sie Unterstützung bei der Beibehaltung
der Personalstellen. Jeder müsse mindestens die drei jetzigen behalten
können, bei Chill out läuft Ende April 2005 eine SAM-Stelle
aus, für die es noch keinen Ersatz gibt. Beide Träger wollen
im neuen Jahr "szenenah" für Jugendliche ein niedrigschwelliges
Beratungsangebot aufbauen. Die letzten Monaten zeigten, dass es da eine
Lücke im Angebot gibt. Früher war die Jugendberatung Schwerpunkt
bei Chill out. Der Verein muss sich aber jetzt vorzugsweise der Prävention
widmen. Die traditionelle Stammklientel der Awo sind dagegen erwachsene
Alkoholkranke. Es wird vermutet, dass sich Jugendliche dort nicht so
aufgehoben fühlen, wie einst bei Chill out. Dennoch seien schon
mehr Jugendliche gekommen, so Müller."Wir müssen uns
aber Gedanken machen, wie wir die Jugend in ihren Lebensräumen
treffen", sagte er. Prinz-Schubert will mit dem Angebot dann wieder
in die Innenstadt ziehen. Das Haus der Jugend in der Babelsberger Schulstraße
sei in seiner Gesamtkonzeption zwar "in Ordnung, bürge aber
Fehlerquellen, die unsere Beratung behindern", so der Chill out-Berater.
Die Türen seien oft geschlossen, die Klingelströme unergründlich
und die Beratungsräume zu eng. Das Deutsche Jugendherbergswerk
als Träger sei da "sehr unflexibel". Gleiche Erfahrungen
hat auch die Aids Hilfe schon gemacht.Chill out und Awo-Suchtberatung
würdigten ausdrücklich das Netz von vielen aktiven Selbsthilfegruppen
- so auch von der Diakonie - die die Arbeit auf dem Gebiet der Suchtberatung
und -prävention in der Stadt unterstützen.
http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/10400005/60709/
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