Für Entkriminalisierung

Chill out mit der Straßenbahn auf Info-Tour zu liberalem Hanfumgang

Es war eine Mischung aus Belustigung, Misstrauen und Skepsis, mit der die Menschen an der Strecke der Bahn hinterherschauten. Für das Lächeln mochte der in den Fenstern des Triebwagen 109 prangende Slogan "Zug um Zug" gesorgt haben - für das Zweifeln die großen roten Hanfblätter daneben. "Das zeigt doch nur, wie groß das Tabu Cannabis in der Gesellschaft noch immer ist", erklärte Frank Prinz-Schubert, Leiter der Beratungsstelle von Chill out.

Nach einer großen Veranstaltung mit Podiumsdiskussion im vorigen Jahr sollte der Chill out-Beitrag zum diesjährigen Liberation Day, einem weltweit begangenen Aktionstag zur Liberalisierung von Hanf, kleiner ausfallen. Mit der alten Tram, Musik und Getränken wollten die Vereinsmitglieder Informationen anbieten.

Um die Cannabispolitik Zug um Zug zu reformieren regte der Verein auf den mitgeführten Postkarten die Entkriminalisierung der Konsumenten, die Akzeptanz von Hanf als Medizin und die Straffreiheit des Anbaus für den Eigenbedarf an. "Es geht uns um eine rationale Diskussion", so Prinz-Schubert. "Ich persönlich habe noch keine Zeit erlebt, in der sie wertfrei gewesen ist. Wir treten für eine Entdämonisierung der Problematik ein." Vielfach würden Regierungen, auch die deutsche, mit Angst arbeiten. Das Resultat seien die Eltern, die, nachdem sie ihr Kind beim Cannabis-Konsum ertappt hätten, panisch in der Beratungsstelle stünden und nach Therapien fragen würden. "Oftmals müssen wir eher den Eltern helfen", sagte Prinz-Schubert.

Die Junge Union Potsdam kritisierte die öffentliche Aktion von Chill out. Kreisvorsitzender Hans-Wilhelm Dünn zeigte sich in einer gestern verbreiteten Erklärung "besorgt, wie der Potsdamer Verein Chill out, der sich die Drogenberatung auf die Fahnen schreibt, mit einem aufwändigen Event...für die Legalisierung illegaler Drogen wirbt". Laut Dünn sollte die Stadtverwaltung prüfen, inwieweit öffentliche Gelder an den Verein fließen, mit denen "die bedenkliche Drogenpolitik" mitfinanziert werde. scho


Quelle: MAZ vom 09.05.2005: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/10486043/60709/