MAZ 14.09.2005 / Potsdam  

Süchtige weichen nach Berlin aus

Chill Out: Versorgung mit Hilfe nicht adäquat / Veranstaltungen am Wochenende

BABELSBERG Als "nicht adäquat" hat gestern der Leiter der Suchtpräventionsfachstelle Chill Out, Frank Prinz-Schubert, die Versorgung von Heroinabhängigen im Land Brandenburg kritisiert. "Die Angebote entsprechen nicht dem Bedarf", sagte Prinz-Schubert. Therapiemöglichkeiten und ein Drogennotdienst würden fehlen. Die Anzahl Heroinabhängiger schätzt der Sozialpädagoge als steigend ein. Genaue Zahlen gebe es aber nicht. "Die Süchtigen müssen nach Berlin ausweichen und dort die Hilfsangebote nutzen", kritisierte Prinz-Schubert. Potsdam müsse eigene Angebote schaffen.

Bei der Ambulanten Beratungsstelle für Suchtkranke der Arbeiterwohlfahrt (Awo) sieht man das anders. "Jeder bekommt Hilfe, wenn er sie sucht, wenn nicht in Potsdam, dann in Berlin", sagte Beratungsstellenleiter Rolf Müller der MAZ. Es sei nicht negativ für die Süchtigen, nach Berlin zu fahren. Vier Prozent der Menschen, die 2004 die Awo-Beratungsstelle aufgesucht hätten, seien heroinabhängig gewesen. Im Jahr 2003 betrug die Zahl ein Prozent. Müller rechnet aber damit, dass 2005 die Zahl wieder sinkt.

Wie Drogenarbeit im Idealfall aussehen könnte, wird am Wochenende auf der Mitgliederversammlung des Bundesverbands für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik "Akzept" in Potsdam diskutiert. Chill Out veranstaltet dazu mehrere öffentliche Veranstaltungen im Babelsberger Haus der Jugend. Am Freitag liest Jörg Böckem ab 18.30 Uhr aus seinem Buch "Lass mich die Nacht überleben - Mein Leben als Journalist und Junkie". Um 20 Uhr beginnt eine Podiumsdiskussion zum Thema "Akzeptierende Drogenarbeit - Dialog statt Ausgrenzung". Am Sonnabend stehen Eltern Drogenabhängiger im Mittelpunkt. "Akzeptierende Drogenarbeit - Was können Eltern tun", lautet der Titel der Veranstaltung ab 20 Uhr. Ziel sei es, eine Elterninitiative vor Ort zu gründen, so Chill-Out-Mitarbeiter Lutz Küken. vv