MAZ 23.08.2005 / Potsdam  

Auch Tee macht süchtig

Drogenvergleich in der Bibliothek

Bei so vielen Informationen über Drogen kann man schon einmal die Orientierung verlieren. "Irgendwie habe ich mich verlaufen", sagt eine Rentnerin. Sie ist umgeben von Schautafeln. Opiumpflanzen sind zu sehen und giftige Pilze, die Halluzinationen hervorrufen können. "Ich habe einen 17-jährigen Enkel", meint die 66-jährige Potsdamerin. "Benommen habe ich ihn noch nicht erlebt, aber ich weiß, dass er Cannabis probiert hat", sagt sie. Deshalb interessiere sie die Ausstellung "Rausch und Realität - Drogen im Kulturvergleich", die seit gestern in der Stadt- und Landesbibliothek (SLB) zu sehen ist. "Ich möchte mitreden können."

Bis Freitag stehen die 46 Schautafeln noch in der Kinder- und Jugendabteilung des Hauses. Die Suchtpräventionsfachstelle Chill Out hat die Ausstellung nach Potsdam geholt. Der Landespräventionsrat und das Jugendamt unterstützen das Ganze finanziell. "Es geht nicht darum, den Zeigefinger zu heben, sondern sich mit der Realität auseinander zu setzen", sagt Jugendamtsleiter Norbert Schweers.

Die Besucher lernen bei "Rausch und Realität" nicht nur die Herkunft verschiedener Drogen kennen. Sie können sich auch über die Geschichte des Drogenkonsums sowie den Handel mit Drogen informieren. Matthias Jänicke ist erstaunt, auch Schautafeln über Tee zu finden. "Ich wusste nicht, dass Tee zur Sucht führen kann", sagt der 21-Jährige, der die Ausstellung "sehr interessant" findet.

Die Studentin Britta Warnsholdt wiederum findet das Begleitprogramm "besonders toll". So läuft heute Abend im Thalia-Kino der Film "Helbra" über den Kampf dreier Ostdeutscher gegen ihre Heroinsucht. Morgen wird in der Villa Kellermann "Welche Droge passt zu mir?" aufgeführt. Am Donnerstag tritt Marc Iwaszkiewicz im Fabrikgarten mit seinem Didgeridoo auf. Jörg Böckem liest am Freitag aus "Lass mich die Nacht überleben - mein Leben als Journalist und Junkie" im Haus der Jugend und Christina Peri Rossi trägt aus "Die Zigarette" im Fidele vor. vv