DIAKONIE-STELLE SCHLIEßT NACH 37 JAHREN /
VERTRAG MIT AWO UND CHILL OUT
Nur noch eine Suchtberatung
CLAUDIA KRAUSE Die ambulante Suchtberatung
und -prävention liegt ab 1. März in den Händen des
Kreisvorstandes der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und des Vereins Chill
out. Der Kooperationsvertrag wurde gestern mit der Stadt unterzeichnet.
Danach befindet sich die Beratungs- und Behandlungsstelle für
Suchtkranke und Gefährdete mit drei Mitarbeitern am Awo-Standort
in der Berliner Straße 132. Die Suchtpräventionsfachstelle
von Chill out arbeitet mit zwei Angestellten noch bis zum 31. März
in der Feuerbachstraße 24 und ab 1. April im Haus der Jugend
in der Lindenstraße 28/29.Das Konzept beider Träger bewegt
sich in dem von der Stadt festgelegten Budget von 196 288 Euro jährlich.
Der Vertrag gilt bis zum 31. Dezember. Die Beteiligten unterschrieben
eine Absichtserklärung, den Vertrag danach weiter zu führen.
Die Neuordnung des Problempaketes Sucht war wegen gestrichener Landeszuschüsse
notwendig. Die Stadt konnte wegen der eigenen prekären Haushaltslage
die Lücke nicht schließen, begründete nochmals die
Sozialbeigeordnete Elona Müller.Verlierer der Neuordnung ist
die etablierte Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes. Nach
37 Jahren muss sie die Arbeit einstellen; die zwei Mitarbeiter sind
gekündigt. Im Oktober 1966 war die Beratungsstelle des Suchtgefährdetendienstes
der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg eröffnet worden,
zu einer Zeit, da es offiziell keine Suchtkranken in der DDR gab.
Was die SED-Diktatur nicht erreicht habe, schaffe nun die falsche
Sparpolitik der Stadt, sagte Diakonie-Geschäftsführer Marcel
Kankarowitsch.Nach der Wende war die Beratung vom Diakonischen Werk
Berlin-Brandenburg und 1996 von der Diakonie Potsdam übernommen
und seitdem von der Stadt finanziell gefördert worden. Seit 1992
war die Beratungsstelle in der Lindenstraße 56. Hierher kamen
laut Kankarowitsch im vergangenen Jahr 1254 Besucher. Es habe 3113
Gruppen- und 99 Straßenkontakte gegeben. "Das neue Angebot
mit nur einer Beratungs- und einer Präventionsstelle wird keine
bedarfsgerechte Versorgung leisten können", prophezeit Kankarowitsch.
Niemand würde auf die Idee kommen, "dass drei Schulen oder
zwei Kindergärten eine ausreichende Versorgung" darstellen.
Aber den Bestand von zwei Suchtberatungsstellen "können
Verwaltung und Politik als ,Luxus' bezeichnen", kritisiert er.900
suchtkranke Hilfesuchende könnten sich "bedanken".
Ein Dankeschön für die jahrelange Arbeit sei die Stadt der
Diakonie schuldig geblieben. Nur Frank Prinz-Schubert, Leiter der
Chill out-Präventionsstelle, würdigte das Engagement der
Diakonie-Kollegen. Sie wollen nun ehrenamtliche Selbsthilfe-Angebote
am gewohnten Ort sichern.
[Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/?loc=2_1_1&id=159086&weiter=500]