MAZ 27.02.2004

DIAKONIE-STELLE SCHLIEßT NACH 37 JAHREN /
VERTRAG MIT AWO UND CHILL OUT
Nur noch eine Suchtberatung


CLAUDIA KRAUSE Die ambulante Suchtberatung und -prävention liegt ab 1. März in den Händen des Kreisvorstandes der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und des Vereins Chill out. Der Kooperationsvertrag wurde gestern mit der Stadt unterzeichnet. Danach befindet sich die Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtkranke und Gefährdete mit drei Mitarbeitern am Awo-Standort in der Berliner Straße 132. Die Suchtpräventionsfachstelle von Chill out arbeitet mit zwei Angestellten noch bis zum 31. März in der Feuerbachstraße 24 und ab 1. April im Haus der Jugend in der Lindenstraße 28/29.Das Konzept beider Träger bewegt sich in dem von der Stadt festgelegten Budget von 196 288 Euro jährlich. Der Vertrag gilt bis zum 31. Dezember. Die Beteiligten unterschrieben eine Absichtserklärung, den Vertrag danach weiter zu führen. Die Neuordnung des Problempaketes Sucht war wegen gestrichener Landeszuschüsse notwendig. Die Stadt konnte wegen der eigenen prekären Haushaltslage die Lücke nicht schließen, begründete nochmals die Sozialbeigeordnete Elona Müller.Verlierer der Neuordnung ist die etablierte Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes. Nach 37 Jahren muss sie die Arbeit einstellen; die zwei Mitarbeiter sind gekündigt. Im Oktober 1966 war die Beratungsstelle des Suchtgefährdetendienstes der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg eröffnet worden, zu einer Zeit, da es offiziell keine Suchtkranken in der DDR gab. Was die SED-Diktatur nicht erreicht habe, schaffe nun die falsche Sparpolitik der Stadt, sagte Diakonie-Geschäftsführer Marcel Kankarowitsch.Nach der Wende war die Beratung vom Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg und 1996 von der Diakonie Potsdam übernommen und seitdem von der Stadt finanziell gefördert worden. Seit 1992 war die Beratungsstelle in der Lindenstraße 56. Hierher kamen laut Kankarowitsch im vergangenen Jahr 1254 Besucher. Es habe 3113 Gruppen- und 99 Straßenkontakte gegeben. "Das neue Angebot mit nur einer Beratungs- und einer Präventionsstelle wird keine bedarfsgerechte Versorgung leisten können", prophezeit Kankarowitsch. Niemand würde auf die Idee kommen, "dass drei Schulen oder zwei Kindergärten eine ausreichende Versorgung" darstellen. Aber den Bestand von zwei Suchtberatungsstellen "können Verwaltung und Politik als ,Luxus' bezeichnen", kritisiert er.900 suchtkranke Hilfesuchende könnten sich "bedanken". Ein Dankeschön für die jahrelange Arbeit sei die Stadt der Diakonie schuldig geblieben. Nur Frank Prinz-Schubert, Leiter der Chill out-Präventionsstelle, würdigte das Engagement der Diakonie-Kollegen. Sie wollen nun ehrenamtliche Selbsthilfe-Angebote am gewohnten Ort sichern.

[Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/?loc=2_1_1&id=159086&weiter=500]

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