Leserbriefe

PNN 14.07.2003
Suchtgefährdetendienst vor dem Aus?

Einige jüngste Zeitungsartikel haben Betroffene und Angehörige sowie ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter stark beunruhigt. Es geht um die angekündigte Schließung der beiden Suchtberatungsstellen in der Landeshauptstadt Potsdam zum 31. Dezember 2003 aus finanziellen Gründen und um die
Neuausschreibung für nur noch "eine Suchtberatung.

In Potsdam gibt es ca. 7000 behandlungs bedürftige Alkoholkranke und Missbräuchler, dazu kommen noch zahlreiche Personen mit anderen Süchten. Die Suchtberatungsstellen in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt und des Diakonischen Werkes erreichen ein unterschiedliches Klientel und haben verschiedene Therapieansätze, können sich über Arbeitsmangel nicht beklagen. In all den Jahren konnten hier viele suchtkranke Menschen Hilfe finden und wurden wieder zu vollwertigen Mitgliedern unserer
Gesellschaft. Ein nicht berücksichtigter Aspekt ist die erschreckende Zunahme des
Alkoholmissbrauchs bei Kindern und Jugendlichen. Auch das Einstiegsalter wird immer jünger. Nach neuesten Erhebungen zwischen dem 13. und 15. Lebensjahr.

Die Beratungsstelle des Diakonischen Wer kes widmet sich besonders auch der Angehörigenarbeit, da Alkoholismus eine Familien-krankheit ist und die Angehörigen in der Therapiekette oft zu kurz kommen. Besondere Sprechstundenangebote und Wochenendseminare helfen ihnen, aus ihrer Co-Abhängigkeit herauszukommen.

Ein Aus für unsere Suchtberatung würde auch ein Aus für unsere umfangreiche Gruppenarbeit einschließlich dem gut angenommenen Arbeitslosenfrühstück bedeuten, dass
wir die uns seit vielen Jahren vertrauten Räumen in der Lindenstraße 56 aufgeben müss ten.

Fast 37 Jahre Suchtarbeit in Trägerschaft der Diakonie, in den Jahren der SED-Herrschaft, wo es offiziell keine Suchtkranken gab, erhalten und fortentwickelt, soll nur dem Rotstift zum Opfer fallen?

ROSEMARIE LIECKFELDT, POTSDAM

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