Leserbriefe

PNN 14.07.2003
Kind in den Brunnen?

Mit Entsetzen vernahmen die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Suchtprävention für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene Potsdam aus der Presse die Mitteilung zur geplanten Schließung der Suchtberatungsstellen.

Abgesehen von den Einschränkungen für betroffene Menschen, die einen Weg aus ihrer Sucht suchen und dafür Unterstützung benötigen bzw. einem Rückfall vorbeugen wollen, sehen wir mit dieser Maßnahme auch einen großen Verlust für die Suchtprävention. Um eine erfolgreiche Suchtprävention in Potsdam fortsetzen zu können ist es erforderlich, sich an umfangreichen Erfahrungen der Suchtberatung zu orientieren. Die Projektangebote für die suchtvorbeugende Arbeit (z. B in den Schulen) in der
Stadt Potsdam sind bereits jetzt nicht ausreichend vorhanden, da viele Anbieter nur fünf bis zehn Prozent ihrer Arbeit dem Thema Suchtprävention widmen können, weil sie in angrenzenden oder umfassenderen Themenbereichen tätig sind. Bei einer Einschränkung der Tätigkeit der Potsdamer Suchtberatungsstellen wird demzufolge auch der Suchtprävention eine wesentliche Grundlage minimiert, was unumgänglich zu Qualitätsein-schränkungen führen wird.

In unserer AG sind lediglich Mitglieder der Beratungsstelle von Chill out e. V. hauptsächlich mit Sucht- und Drogenthemen befasst und die dort bevorstehenden Stellenkürzungen ließen uns bereits aufschrecken. Nur wer sich umfassend in diese Thematik einarbeiten kann, ist in der Lage, auf aktuelle Tenden-zen im Drogenkonsum und entsprechend auf Auswirkungen von Missbrauch und Sucht reagieren zu können. Wir, die sich vor allem der Vorbeugung von Sucht ver schrieben haben, hatten z. B. bei Veranstaltungswochen für Schülerinnen, aber auch bei übergreifenden Fachdiskussionen immer kompetente Partner in der Beratungs stelle von AWO und Diakonie.

Die vorgesehene Ausschreibung nur einer Beratungsstelle mindert das Unterstützungs potenzial in viele Richtungen. Außerdem ist die Wahlmöglichkeit der Betroffenen deutlich eingeschränkt. Individuelle Persönlichkeits-muster führen zu unterschiedlichen Konsum- und Abhängigkeitsverhalten bei den Betroffenen. Die Beratungsstellen richten daher ihre Methoden und Arbeitseinsätze auf individuelle persönliche Bedürfnisse von Drogenkonsumentinnen aus. Nicht zuletzt deswegen muss die bestehende Vielfalt von Beratungsangeboten in der Stadt Potsdam erhalten werden.

Wenn nur noch die knappen Kassen unsere Stadt regieren und vor allem im sozialen Bereich die massiven Eingriffe sich so fortsetzen, werden wir mit Konsequenzen zu rechnen haben. So ist absehbar, dass die Folgekosten, die sich aus einer reduzierte! Suchtprävention und Suchtberatung ergeben werden, wesentlich größer sein werden als die jetzt angestrebten Einsparungen. Viel leicht bestünde ja die Möglichkeit nicht erst an die Konsequenzen zu denken, wenn es zu spät ist!

Also „lassen wir das Kind in den Brunnen
fallen"? Armes Potsdam!

AG SUCHTPRÄVENTION FÜR KINDER
JUGENDLICHE UND JUNGE ERWACHSEN

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