Weniger Geld für Jugendförderplan
Ausschusskritik: Keine Reaktion auf Eingemeindungen und
wachsende Aufgaben
VON KAY GRIMMER Der Ausblick ist düster.
Das mussten die Mitglieder des Jugendhilfeausschuss am Donnerstagabend
erkennen, als der Entwurf des Jugendförderplanes für 2004
von der Sozialbeigeordneten Elona Müller und Jugendamtsleiter
Norbert Schweers vorgestellt wurde. Schon die nichtrealisierten Maßnahmen
im laufenden Jahr, dazu gehören die Einstellung der drei SAM-Stellen
für Schulsozialarbeit an den Schulen 19,39 und 49 und das Auslaufen
der Förderungen der zwei Jugendgästehäuser, des Jugendboots
vom Stadtsportbund und des Fanprojekts für den SV Babelsberg
03, sprechen Bände. Außerdem musste Referent Ralf Becker
vom Jugendamt die Einstellung der bisher geförderten vierten
SAM-Stelle in den Jugendclubs "Offline" und .Junior"
ankündigen, da diese über die beschlossenen Qualitätsstandards
des Jugendhilfeausschusses hinausgeht. Außerdem konnte der geplante
Kindertreff in Potsdam-West nicht realisiert werden.
Immerhin: Auch Positives konnte Ralf Becker vermelden: Dazu zählten
der Baubeginn beim Malteser Treffpunkt Freizeit und beim Gemeinschaftsprojekt
Haus der Jugend und Jugendherberge in der Babelsberger Schulstraße.
Schließlich wurde auch die elfprozentige Haushaltssperre für
die freien Träger der Jugendhilfe aufgehoben.
Doch die Aussichten auf 2004 lassen wenig finanziellen Spielraum,
mehr als die pflichtigen Leistungen im Jugendhilfebereich offerieren,
musste Beigeordnete Elona Müller zugeben. Jugendamtsleiter Norbert
Schweers formulierte die Rechnung knapp: "Der Haushalt in der
Jugendhilfe ist 2004 der gleiche wie 2003, minus der festgeschriebenen
2,5-prozentigen pauschalen Kürzung." Sigrid Müller
(PDS) bezeichnete diese Planung als "hoch bedenklich". Es
könne nicht sein, dass man tausende Einwohner dazu bekomme, Orte
eingemeindet werden und der Haushaltsansatz noch unter dem von 2003
liege.
Marcel Kankarowitsch, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes
las im Namen der Trägerkonferenz eine Stellungnahme "in
Form einer Protestnote" vor. Darin warnen die Freien Träger
der Jugendhilfe vor einer Gefährdung der bestehenden Einrichtungen.
"Nimmt man alle Kürzungen zusammen -denn auch 2003 gibt
es diverse nicht realisierte Vorhaben - liegen wir weit über
den geforderten 2,5 Prozent Wir missbilligen den vorauseilenden Gehorsam."
Zusätzliche Besorgnis bei den Freien Trägern sorgt die angekündigte
Kürzung des Landes beim 610-Stellen-Programm für Jugendeinrichtungen
(PNN berichteten). Beigeordnete Elona Müller konnte auch dort
keine Entwarnung geben. "Derzeit prüft die Verwaltung, ob
der Klageweg Erfolg bringen kann, der Oberbürgermeister würde
eine Klage unterstützen." Die Stellen seien jedenfalls im
Entwurf aufgeführt. Doch müsse man, wenn die Klage keinen
Erfolg bringt, Alternativen finden, um Stellen abzusichern.
Kontrovers wurde es bei den Planungen zur Suchtprävention und
-Beratung. Denn noch steht im Entwurf, dass man auf die vorhandene
Kompetenz und Erfahrung des seit fünf Jahren städtisch geförderten
Verein "Chill Out" in erster Linie zurückgreifen wolle.
"Das ist überholt", so Norbert Schweers, der darauf
verwies, dass man plane, die Suchtpräventionsgelder neu auszuschreiben.
Ein Vorgehen, das sowohl von Schöder als auch CDU-Stadtverordneten
Steeven Bretz bemängelt wird. "Man sollte auf Vorhandenem
aufbauen", so Bretz, der jedoch kritisch der akzeptierenden Drogenarbeit
des Vereins gegenübersteht. Schöder beantragte, den überholten
Passus im Entwurf zu belassen, was mehrheitlich die Zustimmung fand.
Auch die Aufnahme für den schon in diesem Jahr nicht realisierten
Kindertreff in Potsdam-West wurde im Ausschuss empfohlen. Schließlich
beantragte Frank Wernick-Otto von der Landesarbeitsgemeinschaft Bildung,
alles zu tun, um durch Umschichtungen und freiwerdende städtische
Mittel die drohenden Kürzungen zu kompensieren. Der Ausschuss
folgte diesem Antrag, doch Jugendamtsleiter Norbert Schweers erklärte,
dass Umschichtungen im städtischen Haushalt fast unmöglich
seien: "Nicht nur der Bereich Jugend hat die größten
Probleme, über die Runden zu kommen." Der Entwurf für
den Jugendförderplan 2004 wird auch in der nächsten Sitzung
des Jugendhilfeausschuss diskutiert werden.