Chill out- Postkarten ans Stadtoberhaupt
Verein fordert von der Stadt klares Bekenntnis zur akzeptierenden
Drogenarbeit .
VON NICOLA KLUSEMANN
Brandenburger Vorstadt. Mit einer Postkartenaktion will jetzt der Chill
out e.V. ein klares Bekenntnis der Stadt zur akzeptierenden Drogenarbeit
des Vereins erreichen. Die Karten mit einem "Out?" auf der
Vorderseite und der Möglichkeit, sich auf der Rückseite mit
einer Unterschrift gegen das drohende Aus der Drogenberatungsstelle
auszusprechen, sind an Oberbürgermeister Jann Jakobs adressiert.
Vor wenigen Tagen hatte der Verein von der Stadtverwaltung die Nachricht
erhalten, dass das Geld für die bei Chill out beschäftigte
Drogenberaterin Julia Meffert nur noch bis Mitte Juni ausreiche (PNN
berichteten). Die Stelle werde mit GFG-, also Landesmitteln, finanziert,
erklärte am Mittwoch Chill-out-Geschäftsführer Frank
Prinz-Schubert bei einem Pressegespräch. Für dieses Jahr habe
das Land die Mittel noch nicht ausgereicht, Julia Meffert sei bis jetzt
mit Restmitteln aus 2002 bezahlt worden. Eine erste Zusicherung habe
es bis August gegeben.
Die Nachricht, dass die Mittel jetzt schon aufgebraucht seien, traf
den Verein überraschend. Noch am Mittwoch habe man der Drogenberaterin
die Kündigung zum 30. Juni ausgesprochen. "Das Wegfallen dieser
Stelle bedeutet für uns nicht etwa, dass wir das Beratungsangebot
einschränken müssen. Es bricht komplett weg", warnt Prinz-Schubert.
Dabei gewinne ihre Arbeit zunehmend an Wichtigkeit. Ihre Klientel seien
Jugendliche und junge Erwachsene, die illegale Drogen konsumierten.
"Wir bieten aber auch Eltern von drogenabhängigen Kindern
kostenlose Beratungen an", erklärte Meffert. Auch medizinisches
Fachpersonal hole sich Hilfe bei Chill out. In ihrer täglichen
Arbeit hätten sie einen dramatischen Anstieg von Heroinkonsum unter
Jugendlichen festgestellt, sagte Prinz-Schubert. Während im Jahr
2001 in einer Erstberatung bei Chill out acht Teenager angaben Probleme
mit Heroin zu haben, waren es im vergangenen Jahr schon 18. In den ersten
vier Monaten dieses Jahres registrierte der Verein bereits 13 neue Heroinabhängige.
"Damit wächst auch die Notwendigkeit niederschwelliger, akzeptierender
Drogenarbeit", so Teamleiter Prinz-Schubert. Und die biete eben
nur Chill out an. Er wolle den anderen beiden Drogenberatungsstellen
in der Stadt keineswegs ihre Professionalität absprechen, stellte
er klar. Sie hätten nur einen anderen Ansatz und bedienten eine
andere Zielgruppe. "Wir wissen, dass Potsdam knapp bei Kasse ist",
erklärte Hendrik Hoeftmann, Vorstandsvorsitzender des Vereins.
Dennoch sei es Aufgabe der Stadt, dieses besondere Angebot aufrecht
zu erhalten. Um auch die Politik in die Pflicht zu nehmen, werde Chill
out im Juni im Jugendhilfe- und im Gesundheitsausschuss vorsprechen
und sich einen Weg in die Stadtverordnetenversammlung suchen. Der erste
Schritt ist die Postkartenaktion, außerdem gibt es am 19. Juni
um 19 Uhr in der Beratungsstelle Feuerbachstraße 24 einen Infoabend.
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