[ PNN - 30.05.2003 ]

 

Chill out- Postkarten ans Stadtoberhaupt

Verein fordert von der Stadt klares Bekenntnis zur akzeptierenden Drogenarbeit .

VON NICOLA KLUSEMANN
Brandenburger Vorstadt. Mit einer Postkartenaktion will jetzt der Chill out e.V. ein klares Bekenntnis der Stadt zur akzeptierenden Drogenarbeit des Vereins erreichen. Die Karten mit einem "Out?" auf der Vorderseite und der Möglichkeit, sich auf der Rückseite mit einer Unterschrift gegen das drohende Aus der Drogenberatungsstelle auszusprechen, sind an Oberbürgermeister Jann Jakobs adressiert.
Vor wenigen Tagen hatte der Verein von der Stadtverwaltung die Nachricht erhalten, dass das Geld für die bei Chill out beschäftigte Drogenberaterin Julia Meffert nur noch bis Mitte Juni ausreiche (PNN berichteten). Die Stelle werde mit GFG-, also Landesmitteln, finanziert, erklärte am Mittwoch Chill-out-Geschäftsführer Frank Prinz-Schubert bei einem Pressegespräch. Für dieses Jahr habe das Land die Mittel noch nicht ausgereicht, Julia Meffert sei bis jetzt mit Restmitteln aus 2002 bezahlt worden. Eine erste Zusicherung habe es bis August gegeben.
Die Nachricht, dass die Mittel jetzt schon aufgebraucht seien, traf den Verein überraschend. Noch am Mittwoch habe man der Drogenberaterin die Kündigung zum 30. Juni ausgesprochen. "Das Wegfallen dieser Stelle bedeutet für uns nicht etwa, dass wir das Beratungsangebot einschränken müssen. Es bricht komplett weg", warnt Prinz-Schubert.
Dabei gewinne ihre Arbeit zunehmend an Wichtigkeit. Ihre Klientel seien Jugendliche und junge Erwachsene, die illegale Drogen konsumierten. "Wir bieten aber auch Eltern von drogenabhängigen Kindern kostenlose Beratungen an", erklärte Meffert. Auch medizinisches Fachpersonal hole sich Hilfe bei Chill out. In ihrer täglichen Arbeit hätten sie einen dramatischen Anstieg von Heroinkonsum unter Jugendlichen festgestellt, sagte Prinz-Schubert. Während im Jahr 2001 in einer Erstberatung bei Chill out acht Teenager angaben Probleme mit Heroin zu haben, waren es im vergangenen Jahr schon 18. In den ersten vier Monaten dieses Jahres registrierte der Verein bereits 13 neue Heroinabhängige. "Damit wächst auch die Notwendigkeit niederschwelliger, akzeptierender Drogenarbeit", so Teamleiter Prinz-Schubert. Und die biete eben nur Chill out an. Er wolle den anderen beiden Drogenberatungsstellen in der Stadt keineswegs ihre Professionalität absprechen, stellte er klar. Sie hätten nur einen anderen Ansatz und bedienten eine andere Zielgruppe. "Wir wissen, dass Potsdam knapp bei Kasse ist", erklärte Hendrik Hoeftmann, Vorstandsvorsitzender des Vereins. Dennoch sei es Aufgabe der Stadt, dieses besondere Angebot aufrecht zu erhalten. Um auch die Politik in die Pflicht zu nehmen, werde Chill out im Juni im Jugendhilfe- und im Gesundheitsausschuss vorsprechen und sich einen Weg in die Stadtverordnetenversammlung suchen. Der erste Schritt ist die Postkartenaktion, außerdem gibt es am 19. Juni um 19 Uhr in der Beratungsstelle Feuerbachstraße 24 einen Infoabend.

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