Pressemitteilung vom 26. Mai 2003

Konsequenz: Kontakt- und Drogenberatungsstelle Chill out e.V. stellt seine Beratungstätigkeit zum Ende Juni ein.

Die Stadt Potsdam investierte in den zurückliegenden 5 Jahren in die Entwicklung eines niedrigschwelligen Beratungsangebotes für drogenkonsumierende Jugendliche und junge Erwachsene.
Die Förderung der einzigen Stelle für niedrigschwellige Beratungstätigkeit wird überraschend für Mitte Juni durch das Gesundheitsamt eingestellt.
Die getroffenen Absprachen sahen ursprünglich eine Finanzierung bis zum Ende des Jahres 2003 vor. Aufgrund einer andauernden Haushaltssperre konnte aber nur eine vorläufige Förderung bis August 2003 zugesagt werden. In der vergangenen Woche wurde Chill out e.V. telefonisch mitgeteilt, dass die finanziellen Mittel nur noch bis Mitte Juni zur Verfügung gestellt werden.
Vor diesem Hintergrund ist eine Kündigung der Drogenberaterin durch den Träger Chill out e.V. unausweichlich.

War dem Gesundheitsamt bewusst, dass durch die Streichung der Finanzierung ein zentraler, von den Betroffenen akzeptierter Aufgabenbereich der Chill out Kontakt - und Drogenberatungsstelle wegfällt?

Ein steigender Beratungs- und Hilfebedarf, insbesondere zur Heroinproblematik, erhöht die Notwendigkeit grundlegender, abgesicherter und bindender Rahmenbedingungen.
Neben Jugendlichen, Eltern und Pädagoglnnen, die Informationen und Krisenhilfe benötigen,
wird vor allem den Abhängigkeitskranken die Möglichkeit genommen, aus Illegalität und RandsteIlung in das gesellschaftliche Leben zurückzufinden und sich in dieses zu integrieren. Abstinenzunmotivierten und abstinenzunfähigen Drogenabhängigen können begleitende Hilfen unter besonderer Berücksichtigung der gesundheitlichen und sozialen Situation nicht mehr angeboten werden. Dies würde eine Erhöhung des Infektionsrisikos und eine Zunahme der Beschaffungskriminalität bedeuten.

Die Verantwortung für den angekündigten Finanzierungsstopp liegt bei den Entscheidungsträgern in aller Konsequenz gegenüber Chill out e.V., seinen qualifizierten MitarbeiterInnen, den Betroffenen, den Kooperationspartnern und allen NutzerInnen der Angebote unserer Beratungsstelle (Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Familien- und Bewährungshilfe, Ärztinnen u.a.).

Wir fordern von den politischen Entscheidungsträgern, die Existenz der bedarfsorientierten niedrigschwelligen Drogenberatung im Rahmen eines städtischen Suchthilfeverbundsystems nicht nur zu wollen, sondern die Grundlagen für eine langfristige und gesicherte Arbeit zu schaffen.