Rauschfunk 3 – Fachtagung “Die Segel setzen! – Akzeptierende Drogenarbeit und Drogenpolitik 2.0”

 

Rauschfunk diesmal mit einer Spezialfolge: Am 24. November 2017 veranstalteten der Chill out e.V. und der ‘akzept’ Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik im freiLand Potsdam die Fachtagung “Die Segel setzen! – Akzeptierende Drogenarbeit und Drogenpolitik 2.0”.

Folgende Vorträge dieses Tages präsentieren wir euch nun in unserer dritten Rauschfunksendung zum Nachhören – viel Spaß!

Cannabis – wo geht die Reise hin? Cannabis als Medizin ist nicht alles – welche nächsten Reformschritte braucht es? Maximilian Plenert (sensmedia, akzept e.V.)

“Just say know!” Drogenarbeit in Clubs, auf Partys & Festivals. Pia Eigenstetter (DrugScouts Leipzig), Katharina Tietz (Chill out e.V. Potsdam, Sonics e.V. Safer Nightlife Bundesverband)

“A total disaster?” Wann kommt Substitution und Psychosoziale Begleitung in Brandenburg an? Anneke Groth (vista gGmbH Berlin), Kathrin Neuhaus (AWO Bezirksverband Potsdam e.V.)

Selbstbestimmung möglich machen! Notwendige Weiterentwicklungen in der (niedrigschwelligen) Drogenhilfe Kerstin Dettmer (fixpunkt e.V. Berlin), Urs Köthner (freiraum e.V. Hamburg)

Die Menschen sehen! Die Perspektive der Drogenkonsument*innen Dirk Schäffer (Deutsche Aidshilfe, JES Bundesverband)

Herausforderungen der akzeptierenden Drogenarbeit Heino Stöver (Institut für Drogenforschung Frankfurt a.M.)

 

Shownotes

Bündnis’90/Grüne: Deutliche Zunahme von Suchterkrankungen – Bundesregierung vernachlässigt Suchtkranke

Pressemitteilung Nr. 0011-14 der Fraktion von Bündnis’90/Die Grünen im Deutschen Bundestag vom 09.01.2014 [im Original lesen auf gruene-bundestag.de]

Zum jetzt veröffentlichten Suchtsurvey des Instituts für Therapieforschung erklärt Harald Terpe, Sprecher für Drogen- und Suchtpolitik:

Die jetzt veröffentlichten Zahlen sind die Quittung für eine untätige Sucht- und Drogenpolitik in den letzten vier Jahren. Es ist alarmierend, dass die Zahl der Alkoholabhängigen in Deutschland von 2006 bis 2012 von 1,3 Millionen auf 1,77 Millionen – also um 36 Prozent – angestiegen ist. Die Zahl der Medikamentenabhängigen stieg sogar von 1,5 Millionen auf 2,3 Millionen und damit um 53 Prozent. Und von den 30 Prozent der Bevölkerung, die rauchen, leidet jeder Dritte (10,8 Prozent) an einer Tabakabhängigkeit.

Hinter diesen Zahlen verbergen sich zahlreiche Familientragödien, denn mit den Abhängigen leiden auch ihre Familien und insbesondere die Kinder. Schnelle Hilfe ist geboten, doch häufig warten Abhängige monatelang auf die Genehmigung ihrer Therapie. Auch zwischen Entgiftung und Therapie entstehen oft wochenlange Wartezeiten. Es ist dringend notwendig, die Angebote für Suchtkranke in Deutschland zu verbessern.

Wir fordern deshalb: Eine Frühintervention durch den Arzt bei Verdacht auf Suchtprobleme. Eine schnellere Genehmigung von Therapieanträgen, insbesondere für ambulante Angebote. Eine systematische Einbeziehung der Selbsthilfe, insbesondere nach Abschluss der Therapie. Mehr ambulante Angebote für ältere Suchtkranke. Eine Anerkennung von Raucherentwöhnung als Kassenleistung. Zudem hat Bundesgesundheitsminister Gröhe bis heute noch keine neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung ernannt. Wir fordern Herrn Gröhe daher auf, der Suchtprävention und -therapie mehr Energie als sein Vorgänger zu widmen.

Hintergrund:

Der “Epidemiologische Suchtsurvey” wird im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit durch das Institut für Therapieforschung mit Sitz in München erhoben. Die Daten wurden soeben in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “Sucht” veröffentlicht (Heft 6, 2013). Das Bundesministerium für Gesundheit finanziert die Studie, die Daten liegen dort seit Herbst 2013 vor, wurden aber weder durch dieses veröffentlicht noch kommentiert.

Anhörung zu Methamphetamin, Cannabis und Legal Highs im Deutschen Bundestag

Zum drogenpolitischen im Umgang mit Methamphetamin (Crystal), Cannabis und sogenannten Legal Highs fand am 17. April eine Anhörung im Gesundheitsausschuss des  Deutschen Bundestags statt.

Informationen finden sich unter anderem auf bundestag.de

Die Stellungnahmen zur Anhörung finden sich hier.

Hitler-Speed und Räuchermischung
SPD-Antrag zur Drogenprävention empört Experten

Neues Deutschland, 18.04.2013
Von Fabian Lambeck

Hoch her ging es am Mittwoch während einer Bundestagsanhörung zur Drogenpolitik. Ein Experte war extra angereist, um sich über den Missbrauch seiner Studie durch die SPD zu beschweren. Zudem beklatschten Zuschauer die Äußerungen eines US-amerikanischen Drogenfachmanns.

»Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint«, sagte Kurt Tucholsky einmal. Die Bundestagsfraktion der SPD führte sicher nichts Böses im Schilde, als sie ihren Antrag ausarbeitete. Die Genossen wollen den Konsum von Methamphetaminen durch Prävention eindämmen und neue synthetische Drogen, sogenannte Legal Highs, europaweit effizienter bekämpfen. Dabei berief sich die Fraktion auf eine Studie des Frankfurter Drogenexperten Bernd Werse. Dieser wiederum war schwer empört, als er hörte und las, wozu seine Forschungsergebnisse benutzt werden.

Und so kam Werse auch zur gestrigen Anhörung des Gesundheitsausschusses, bei der jener SPD-Antrag von Fachleuten diskutiert wurde. Ihm war die Empörung noch anzumerken, als er sich zu Nachfragen des LINKEN-Abgeordneten Frank Tempel äußerte: »Unsere Studie zu den Legal Highs hat nichts mit Crystal Meth zu tun«, so Werse. Dazu seien beide Drogen zu verschieden. Die SPD hatte aber beide in einen Topf geworfen. Bei Legal Highs handelt es sich nicht um eine bestimmte Substanz. Vielmehr verbergen sich hinter dieser Sammelbezeichnung so grundverschiedene Dinge wie Räuchermischungen, synthetische Stoffe oder Herbal Highs, die aus Pflanzenteilen und Chemie bestehen. Auch hinsichtlich ihrer Wirkung ähneln sie sich nicht. Die einen wirken beruhigend, andere aufputschend und viele auch gar nicht. Todesfälle seien bislang nicht bekannt, so Werse in seiner Stellungnahme.

Weiterlesen auf neues-deutschland.de

KIFFEN: Unter Henkel wird das Dope leichter

Der THC-Gehalt in Gras und Hasch ist zuletzt etwas gesunken, hat der Innensenator festgestellt. Nichtsdestotrotz denken CDU-Vertreter im Senat weiter über eine Verschärfung der Rechtslage nach.

taz, 01.10.2012
von Sebastian Puschner

„Das Gras wird immer stärker“, ist eine der hartnäckigsten Kifferlegenden. Sie wurde nun widerlegt – durch die Senatsverwaltung für Inneres unter CDU-Chef Frank Henkel. Dessen Antwort auf eine Kleine Anfrage der Piraten im Abgeordnetenhaus zeigt: Der Wirkstoffgehalt in von der Polizei beschlagnahmten Cannabisprodukten hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert; zuletzt war der sogar leicht rückläufig. „Das Märchen vom immer härteren Gras bemühen all jene, die eine stärkere Verfolgung der Konsumenten wollen“, sagte der Sprecher für Sucht- und Drogenpolitik der Piraten-Fraktion, Simon Kowalewski, der taz. […]

Die Entwicklung des für die Rauschwirkung entscheidenden THC-Gehalts in beschlagnahmten Berliner Cannabisprodukten bietet indes keinen Anlass, härter gegen Kiffer vorzugehen. Knapp unter 10 Prozent lag der THC-Anteil bei Haschisch in den vergangenen sieben Jahren, 2011 ging er gar auf 8,15 Prozent zurück. Bei Cannabisblüten variierte der Wirkstoffgehalt kaum, er lag seit 2003 stets zwischen 11 und 13 Prozent. Das beschlagnahmte Cannabiskraut enthielt 2011 im Durchschnitt sogar nur knapp 3 Prozent THC.

Außerdem zeigen die vom Senat vorgelegten Zahlen, dass die Berliner Polizei ihre Cannabis-Beute seit Anfang der 90er Jahre kräftig erhöht hat: Beschlagnahmten die Beamten 1994 4 Kilogramm Marihuana und 85 Kilo Haschisch, waren es 2011 schon 280 und 96 Kilo. Besonders erfolgreich sind die Drogenfahnder in diesem Jahr: Bis Ende Juni kassierten sie bereits 260 Kilo Gras und 170 Kilo Hasch.

Artikel vollständig lesen auf taz.de

Information statt Vorurteile

Information statt Vorurteile!
Das Drogeninfo-Projekt Drug Scouts aus Leipzig

Gerade wenn es um Jugendschutz geht, gerät das Thema Drogenkonsum in den Fokus der Öffentlichkeit. In Sachsen sorgte diesbezüglich die Drogenpolitik der Stadt Leipzig immer wieder für Diskussionen. Während Polizei und CDU diese kritisierten, begrüßten SPD, LINKE und die Grünen im Leipziger Stadtrat das Modell der akzeptierenden und aufklärenden Präventionsarbeit.

Erschienen in “Corax – Fachmagazin für Kinder- und Jugendarbeit in Sachsen“, Ausgabe 1/2012

In einer Erklärung formulierten Katharina Krefft, (Bündnis 90/ DIE GRÜNEN), Juliane Nagel (DIE LINKE) und Mathias Weber (SPD): “Wir halten an unserer Position fest: die drogenpolitische Strategie der Stadt Leipzig ist richtig. Sie ist politisch diskutiert, kontrolliert und flankiert. Seit Jahren gibt es auf der Handlungsebene eine gute Kommunikation und Kooperation zwischen Kommune, Vereinen und Polizei.” Zum Projekt Drug Scouts sagen sie: “Mit seinem lebensweltlichen und akzeptierenden Ansatz sind die Aufklärungsangebote der Drug Scouts bundesweit fast einmalig. Wir stehen zu diesem progressiven und wirksamen Projekt. Das vielfach gelobte Präventionsangebot der Drug Scouts wird unter anderem vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz empfohlen.“

Im CORAX äußern sich nun die Kollegen und Kolleginnen der Drugscouts zum Thema Drogenkonsum im Jugendalter und ihrer Arbeit.

Weiterlesen auf drugscouts.de


Zwischen Fachlichkeit und Symbolpolitik:
Seit einem Jahr wird über die Drogenfreundlichkeit der Stadt Leipzig diskutiert. Ein Ende ist nicht in Sicht

von Thyra Veyder-Malberg,
erschienen im Leipziger Stadtmagazin kreuzer – Ausgabe 04/2012, Seite 19

Holger Herzog steckt die drogenpolitische Debatte des vergangenen Winters noch in den Knochen. Als Geschäftsführer des Suchtzentrum Leipzig ist er unter anderem für das Projekt Drug Scouts mitverantwortlich, das damals vor allem für seinen akzeptierenden Ansatz in die Kritik geriet.

Leipzigs Polizeipräsident Horst Wawrzynski hatte der Stadtverwaltung vorgeworfen, mit ihrer “Wohlfühlpolitik” Leipzig für Süchtige erst attraktiv zu machen, und damit großes mediales Echo geerntet. Dies würde die Beschaffungskriminalität in die Höhe treiben, argumentierte Wawrzynski.

Die Einseitigkeit der medialen Debatte ärgert Herzog heute noch. “Drogenkonsum i´st eine Realität, der man sich stellen muss”, sagt er. “Wenn man nur einen abstinenzorientierten Ansatz verfolgt, erreicht man viele der Betroffenen nicht.” Nur ein System aus verschiedenen Hilfsangeboten würde zum Erfolg führen. Und als Teil dieses Systems müsse man die Drug Scouts verstehen.

Weiterlesen auf drugscouts.de