Drugchecking

“Drugchecking” bedeutet für Drogenkonsumentinnen und -konsumenten die Möglichkeit, auf dem Schwarzmarkt erworbene, zum Konsum bestimmte psychoaktive Substanzen anonym auf ihre qualitative und quantitative Zusammensetzung hin untersuchen zu lassen und die Testergebnisse individuell zurückgemeldet zu bekommen.

Dazu geben die Besitzerinnen oder Besitzer von illegalen Substanzen eine Probe des Stoffes (zum Beispiel wenige Milligramm von Cannabisprodukten oder chemisch hergestellten Pulvern oder den Abrieb einer Ecstasy-Pille) in einer Drogenberatungsstelle ab. Die äußerlich erkennbaren Merkmale der Substanz werden vor Ort dokumentiert (zum Beispiel werden Ecstasy-Pillen vermessen, gewogen und fotografiert) und die NutzerInnen des Angebots erhalten einen Code. Nachdem (üblicherweise nach einigen Tagen) die Substanz auf ihre Inhaltsstoffe und deren Menge in einem Labor analysiert wurden, erhalten die NutzerInnen mit Hilfe des Codes in einem anonymen Anruf Auskunft über das Ergebnis.

Alternativ zu diesem „stationären“ Angebot arbeiten einige Projekte im europäischen Ausland auch damit, ein mobiles Labor dorthin zu bringen, wo Substanzen konsumiert werden (z. B. einen Techno-Rave). Durch dieses „Vor-Ort“-Angebot erhalten die NutzerInnen meist sogar innerhalb von wenigen Minuten ein Ergebnis, das per Aushang bekannt gegeben wird.

Die erfolgreiche Umsetzung von Drugchecking-Programmen birgt folgende Chancen zur Verbesserung des Gesundheitsschutzes:

  • Die Möglichkeit des Testens illegal erworbener Substanzen auf ihre Inhaltsstoffe und deren Gehalt bedeutet für die (potenziellen) Gebraucherinnen und Gebraucher illegaler Substanzen die verbesserte Möglichkeit, Vergiftungen, Überdosierungen und unerwünschte Effekte zu vermeiden.
  • Über das genaue Wissen über Art und Menge der Inhaltsstoffe psychoaktiver Substanzen ermöglicht Drugchecking einen reflektiven Drogengebrauch und fördert einen selbstkontrollierten, respektvollen und vorsichtigen Umgang mit psychoaktiven Substanzen und das Erlernen von geeigneten Strategien zur Risikoreduzierung beim Gebrauch.
  • Schließlich können Drugchecking-Angebote auch zu einer besseren Aufklärung über Drogen beitragen, indem sie einerseits den Zugang von Drogengebraucherinnen und -gebrauchern zur durch das Drogenhilfesystem zur Verfügung gestellte Informations und Beratungsangebote erleichtern, und andererseits das Wissen der Mitarbeiter von Drogenhilfeeinrichtungen über Konsummuster, Motive des Konsums, (auch dosisabhängig) spezifische Wirkungen und Risiken des Konsums bestimmter Substanzen erhöhen.

Zusammen mit anderen Verbänden, Vereinen und Organisationen der akzeptierenden Drogenarbeit setzt sich Chill out seit vielen Jahren dafür ein, dass Drugchecking in Deutschland (wieder) möglich wird. Daher schlossen wir uns 2007 einer in Berlin tagenden Arbeitsgruppe an, aus der 2008 die „Drugchecking-Initiative Berlin-Brandenburg“ hervorging. Die Initiative veranstaltete im November 2008 eine Fachtagung im Roten Rathaus und setzt sich seitdem durch konzeptionelle Überlegungen zur Umsetzung von Drugchecking in Berlin und Deutschland sowie durch intensive Lobbyarbeit für Drugchecking ein.

Mehr zum Drugchecking, zum Beispiel

  • zur Historie von Drugchecking in Deutschland
  • zu Konzepten und Methoden des Drugchecking
  • zum Wissens  und Forschungsstand
  • zu den Drugchecking-Aktivitäten in anderen Ländern
  • Dokumente der Drugchecking-Inititative Berlin-Brandenburg zum Download

sowie Links zur vollständigen Video-Dokumentation der Fachtagung am 13.11.2008 finden sie auf der
Internetpräsenz der Drugchecking-Initiative Berlin-Brandenburg (www.drugchecking.eu)